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Der Eisvogel (Alcedo atthis)
Der Eisvogel wirkt mit seinem blau, grün, türkis und gold schillernden Federkleid eher wir ein Exot in unseren heimischen Gefilden. Je nachdem wie die Sonnenstrahlen auf sein Gefieder scheinen, verändern sich die Farben. Dies wird nicht durch Farbpigmente, sondern durch Lichtbrechung hervorgerufen. Er gilt übrigens als Indikator für gesunde Gewässer. In unseren oftmals dicht bevölkerten Regionen ist er mittlerweile äußerst selten anzutreffen. Der Eisvogel (Alcedo atthis) gehört zur Ordnung der Rackenvögel (Coraciifonnes) und dort zur Familie der Eisvögel (Alcedinidae). Die meisten der 90 Eisvogelarten brüten in den Tropen der Alten Welt. Alcedo atthis ist die einzige in Mitteleuropa vorkommende Art aus der Familie der Eisvögel. Eisvögel sind mit keiner anderen heimischen Art zu verwechseln. Sie sind nicht sehr groß, gerade mal etwas größer als ein Sperling. Ihre gedrungene Gestalt, der sehr kurze Schwanz und der lange, gerade und kräftige Schnabel sind auffallend. Obwohl der Eisvogel ein schillernd buntes Gefieder besitzt, ist er sehr gut getarnt. Er fällt sitzend kaum auf. Oftmals entdeckt man ihn nur, wenn er seinen hohen Ruf ausstößt oder er im schnellen und gradlinigen Flug über das Wasser flitzt.

Seine Nahrung erbeutet der Eisvogel fast ausschließlich in oder an Gewässern. Auf dem Speiseplan stehen kleine Fische, Wasserinsekten und deren Larven, Kleinkrebse, Mollusken und Kaulquappen. Weiterhin werden auch kleine Frösche und Molche nicht verschmäht. Er kann Fische mit einer Rückenhöhe von bis zu 2 cm und einer Gesamtlänge von bis zu 12 cm verschlucken. Der Lebensraum und das Brutgebiet sind an langsam fließende oder stehende Gewässer mit einem großen Angebot an Kleinfischen und Sitzwarten gebunden. Eisvögel brüten in selbst gegrabenen Nisthöhlen an Steilufern von Gewässern. Frühestens Anfang März legt das Weibchen 6 bis 7 weiß glänzende Eier. Nach 18 bis 21 Tagen schlüpfen die Jungen. Nach dem Hudern durch beide Elterntiere, verlassen die jungen Eisvögel nach weiteren drei bis vier Wochen das Nest. Zwei Jahresbruten sind beim Eisvogel üblich. Allerdings schaffen manche Paare durch Schachtelbruten sogar drei Brüten pro Jahr. Der hohen Reproduktionsrate steht leider eine hohe Sterblichkeit entgegen. Studien ergaben, dass ca. 80 % der jungen Eisvögel zwischen dem Verlassen der Bruthöhle und der folgenden Brutsaison sterben. Das Vorkommen des Eisvogels reicht von Westeuropa nach Osten bis Sachalin und Japan, nach Süden bis Indien und Taiwan. Nördlich reicht das Vorkommen bis zum 60. Breitengrad. Die mitteleuropäische Verbreitung ist lückenhaft und reicht von der Tiefebene bis in Mittelgebirgslagen.
Eisvögel verschlingen ihre Beute mit dem Kopf voran. Tragen sie Fische andersherum, ist die Beute für den Nachwuchs oder den Partner vorgesehen. Foto: R. Brecht schon seit längerem ein Rückgang festzustellen, so dass der Eisvogel mittlerweile in den Roten Listen Deutschlands, der Niederlande, Luxemburgs, der Schweiz, Tschechiens und Österreichs verzeichnet ist. Bei uns befindet er sich auf der sogenannten Vorwarnliste. Strenge Winter zählen zu den natürlichen Faktoren, die bei den Eisvögeln größere Bestandsschwankungen verursachen. Der Ausbau und Kanalisierungen von Fließgewässern, zunehmender Nährstoffeintrag (Eutrophierung) und Gewässerverschmutzungen wirken sich jedoch nachhaltiger auf sein Vorkommen aus. Wasserbauliche Maßnahmen haben in der Vergangenheit bereits in großem Umfang zum Verlust von natürlichen Steilufern geführt, auf die der Eisvogel zum Anlegen seiner Brutröhre angewiesen ist. Hier hat ein Umdenken eingesetzt, doch noch immer gehen Brutplätze durch Verbauung natürlicher Ufer verloren. Da das Brutplatzangebot der limitierende Faktor ist. sollte die Erhaltung der verbliebenen naturnahen Fließgewässer an erster Stelle stehen. Mit gezielten Verbesserungen im Zuge von Gewässer-Renaturierungen können Brutmöglichkeiten (künstliche Steilufer) und Sitzwarten geschaffen werden. Verbesserungen der Wasserqualität und eine artenreiche Fischfauna kommen dem seltenen Vogel ebenfalls zugute. Der Einsatz von Düngemitteln und Umweltchemikalicn in Gewässernähe sollte unter anderem durch Bewirtschaftungsgrenzen entlang von Fließgewässern deutlich reduziert werden.
Die Haltung und Vermehrung des Eisvogels ist gegenüber vielen anderen Vogelarten zwar aufwändig, aber durchaus machbar. Das Gehege muss eine entsprechende Brutwand und ein kleines Gewässer enthalten. Die Ernährung kann durchaus nur mit gefrosteten Fischen erfolgen. Meiner Meinung nach sollten allerdings, zumindest anteilmäßig, lebende Fische verfüttert werden. Aus eigenen Erfahrungen in der Eisvogelhaltung kann ich bestätigen, dass diese Vogelart hochinteressant ist. Da ich meine Vögel nur mit lebenden Fischen versorgen wollte, aber das Hältern der Fische durchaus aufwendig ist. habe ich aus zeitlichen Gründen vorerst auf eine weitere Haltung verzichtet. Es ist aber als sehr positiv zu bewerten, dass sich einige Liebhaber der Haltung und Vermehrung dieser Art widmen und sie regelmäßig erfolgreich vermehren.
   
Literatur Limmbrunner, Bezzel, Richarz, Singer, Enzyklopädie der Brutvögel Europas, Franck-Kosmos-Verlag GmbH & Co., Stuttgart. 2001  
   
Thomas Wendt