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Zum Titelbild:
Der Steinschmätzer (Oenanthe oenanthe) bewohnt in mehreren Unterarten fast ganz Europa. Er ist aber insgesamt nur sehr spärlich vorhanden. Mittlerweile wird er gar auf der Roten Liste in der „Kategorie 1 - vom Aussterben bedroht" geführt. Dort sind neben dem Steinschmätzer u. a. die Haubenlerche, der Rotkopfwürger, die Sumpfohreule und die Zippammer aufgeführt. Steinschmätzer brüten in ganz Eurasicn bis hin in die innere Mongolei. Zudem ziehen sie ihren Nachwuchs in Nordwestafrika, Kanada, Alaska, Sibirien und Grönland auf. Die Überwinterungsgebiete liegen in Afrika.
Vorwiegend sind sie Bewohner der Gebirge und der Küstendünen, geben sich aber auch mit anderen Landschaften zufrieden. Bevorzugt werden aber immer offene, steinige Lebensräume.
Steinschmätzer sind Insektenfresser, die im Herbst zudem auch verschiedene Beeren aufnehmen. Sie legen ihr Nest gerne in Bodennähe in Felsspalten, in Steinhaufen und in Mauerlöchern an. Allerdings sind sie bei der Nistplatzwahl sehr erfinderisch.

So werden die Nester sogar in Kaninchenbauten angelegt. Zum Nestbau verwenden Steinschmätzer u.a. trockenes Pflanzenmaterial sowie Federn, Haare und Wolle. Die vier bis sechs Eier werden rund zwei Wochen bebrütet. Die Nestlingszeit beträgt ebenfalls rund zwei Wochen. Bei Störungen verlassen die kleinen Steinschmätzer durchaus eher das schützende Nest. Je nachdem in welchen Klimazonen sie brüten, werden noch Zweitbruten durchgeführt.
Ich selber habe diese fluggewandten Vögel mehrfach zur Vermehrung bewegen können. Übrigens fliegen Steinschmätzer sehr unauffällig und sehr flach über dem Boden, dabei ist nur der charakteristische weiße Bürzel zu erkennen.
Das Gehege für die Steinschmätzer sollte einen geschützten Bereich aufweisen. Ansonsten ist die Voliere dem natürlichen Lebensraum anzupassen. Da sich die Vögel gerne in Bodennähe und auf steinigem Gelände aufhalten, sollten mehrere Findlinge in der Voliere nicht fehlen. Die Bepflanzung sollte spartanisch sein und freie Flächen aufweisen.

In der Voliere brüten Steinschmätzer in allen Höhen, also nicht unbedingt nur am Boden. Gerne werden Halbhöhlen als Nistplatz angenommen. Mir persönlich ist es am liebsten, wenn sie angebotene Nisthilfen annehmen. So sind die Nester bei Bedarf gut zu kontrollieren und bieten zudem einen gewissen Schutz vor Spitzmäusen, denen es fast immer gelingt, sich Zugang zu Volieren zu verschaffen.

In Menschenobhut ernährt man Steinschmätzer mit einem guten Weichfresserfutter, Lichtfallenbeute und Pinkies (gefrostet). Zur Aufzucht muss uneingeschränkt tierische Kost zur Verfügung gestellt werden. Im Herbst und Winter gehören auch Beeren auf den Speiseplan. Steinschmätzer glänzen nicht durch einen melodischen Gesang, sondern vielmehr durch ihr aufgewecktes Verhalten. Sie knicksen ständig und beobachten in aufrechter Haltung ihre Umgebung.   

Thomas Wendt